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Bedürftigenversorgung durch Kultkneipe: Der Elbschlosskeller dient als Suppenküche

Elbschlosskeller: Essen und Kleidung für Bedürftige
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Weil seine berühmte Kneipe gegenüber dem „Goldenen Handschuh“, der Elbschlosskeller am Hamburger Berg, keinen Türschlüssel besaß, konnte er den Laden nicht abschließen. Da kam dem Betreiber Daniel Schmidt die Idee, in der Coronakrise, mitten im Lockdown, eine Suppenküche aus dem Schanklokal zu machen.

Außerdem können Bedürftige sich einkleiden. Aber dass der Elbschlosskeller eine Art Kleiderkammer  beherbergt munkelte man schon länger. Was dabei Imponiert, ist das unkomplizierte und irgendwie selbstverständliche soziale Engagement des Wirts Daniel Schmidt. Anstatt wie andere zu jammern und zu zetern, packt er an und hilft denen, die in dieser dramatischen Krise, im Lockdown schnell von allen vergessen werden: Nämlich diejenigen, die gar nichts haben, niemanden, die eh schon angeschissen sind und die jetzt erst recht gemieden werden.

Um so wichtiger ist es, dass sich Menschen über den instinktiven Egoismus in so einer Pandemie hinwegsetzen und sich für andere, für Schwächer engagieren. Es gibt mehr Menschen davon, als man denkt. Aber was Schmidt immer wieder beweist und auf die Beine stellt, ist schon außergewöhnlich.

„Hier wohnen Obdachlose. Der Laden war immer auf!“

Die Kneipe war immer auf. War Anlaufpunkt und Fixstern in dem Wahnsinn, der sich Vergnügungsviertel nennt. Die Obdachlosen, die sich ungezählt rund um die Hamburger Reeperbahn aufhalten, gehören zum Stadtbild. Es gibt Hilfen und engagierte Initiativen, dennoch ist das Elend kaum zu ertragen. Dass es diese Kultkneipen – und aus mancher Sicht Elendskneipen – als Überbleibsel früherer Zeiten, die sich für die Romantisierung eignen, hier gibt, ist für diese Menschen manchmal überlebenswichtig.

Zufälligerweise warf ich vor einigen Monaten zum ersten Mal einen Blick in diese Kultkneipe. Fürchterlich. Unheimlich laute Musik, alle besoffen schon am frühen Abend und der dicke Zigarettenqualm raubt einem den Atem. Kult ist das Image, eine für diesen Hamburger Stadtteil typische Romantisierung der Selbstzerstörung von irgendwie beschädigten Menschen. Hier existiert kein Erfolg, keine Schönheit und keine echte Zukunft. Hier herrscht eine Art von Elend, das durch König Alkohol eine seltsame Art der Adelung erfährt, während der Zigarrettenrauch böse Geister zu vertreiben könnte. Die brüllend Laut Musik, meist schlechte Party-Gassenhauer, macht aber alles zunichte und man möchte fliegen. Das ist der Elbschlosskeller. Also nichts für Feiglinge.

Um so bemerkenswerter der Wandel zur Hilfsküche für alle Bedürftige des Stadtteils. Ich meine, der Betrieber Schmidt hat die Hamburger Ehrenbürgerschaft mehr als verdient.

Übrigens: Als ein Schlüssel für die Eingangstür des Elbschlosskellers her musste, rückte ein Schlüsseldienst an und verpasste der Tür ein neues Schloss.

Der Elbschlosskeller 2020: Der Sauftempel der Nächstenliebe

Jeden Tag ist die Kneipe geöffnet um Lebensmittel, Essen, Bekleidung und Schlafsäcke an Hilfsbedürftige ausgegeben. Jeder Bürger kann hier vorbeikommen und seine Spenden abgeben.

Elbschlosskeller Öffnungszeiten in der Coronakrise

  • Spendenannahme von 10 – 12.00 Uhr
  • Essensausgabe von 12 – 19.00 Uhr
Wer wenn nicht wie. Daniel Schmidt und die Elbschlosskeller-Crew!

#werwennnichtwir – Tolle Aktion von engierten Menschen. Anstatt immer auf andere zu warten und zu hoffen, Forderungen an sonstwen zu stellen, packt man einfach selber an. Wer soll es denn sonst du, wenn nicht du. Wer, wenn nicht wir. Hier und jetzt. Wirklich ganz tolle und unbedingt unterstützenswerte Sache!

Mehr dazu unter werwennnichtwir.hamburg

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